Histaminintoleranz: Wenn Weihnachten auf den Magen schlägt

von pelikanapo

Gänsebraten, Glühwein, Plätzchen – die Leckereien der Adventszeit führen bei manchen Menschen zu allergischen Reaktionen. Lassen sich die Symptome keiner eindeutigen Nahrungsmittelunverträglichkeit zuordnen, könnte eine Histaminintoleranz vorliegen. Durchfall und Magenkrämpfe, Ausschlag und Juckreiz, Herzrhythmusstörungen und Atemnot: Die Liste der Symptome ist ebenso lang wie die der auslösenden Lebensmittel. Das macht die Diagnose des Histamin-Intoleranz-Syndroms (HIS), auch Histaminose oder einfach Histaminintoleranz genannt, so schwierig. Viele Patienten haben eine Ärzte-Odyssee hinter sich, bevor die Krankheit erkannt wird.

Warum die Diagnose so schwierig ist

Histamin ist ein Eiweißstoff, der von weißen Blutkörperchen produziert wird und im Körper wichtige Funktionen steuert. Es ist an Abwehrreaktionen, an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus und der Verdauung beteiligt. Histamin ist außerdem ein natürlicher Bestandteil unserer Lebensmittel. Als besonders histaminhaltig gelten zum Beispiel reifer Käse, Bier und Rotwein, Wurst und Salami, Hefeprodukte, Nüsse und auch einige Obst- und Gemüsesorten, darunter Tomaten und Zitrusfrüchte.

Histaminunverträglichkeit ist eine Mangelerscheinung

In größeren Mengen ist Histamin toxisch, die kritische Menge wird beim Essen normalerweise nicht erreicht. Bei ein bis drei Prozent der Bevölkerung fällt die Verträglichkeitsgrenze allerdings vergleichsweise niedrig aus. Sie reagieren auf histaminreiche Speisen empfindlich. Die Histaminintoleranz ist aber keine Allergie, sondern eine Enzymmangelerscheinung: Je weniger des Enzyms Diaminooxidase (DAO) im Blut vorhanden ist, desto schlechter wird das in Lebensmitteln vorhandene Histamin vom Körper abgebaut – so jedenfalls die bisherige Hypothese der Experten. Sie sprechen deshalb von einer „individuellen Unverträglichkeit gegenüber subtoxischen Mengen an oral aufgenommenem Histamin“ (Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten).

Was Betroffene tun können

Besteht der Verdacht auf eine Histaminintoleranz, sollten Betroffene histaminreiche Produkte komplett meiden, bis sich die Symptome gebessert haben. Die Einnahme von Antihistaminika kann diese ebenfalls lindern. Wird die Diagnose vom Arzt bestätigt, müssen Betroffene die Histamin-Zufuhr über die Nahrung reduzieren und dauerhaft kontrollieren. Die goldene Regel lautet: Je länger das Produkt gelagert und je stärker es verarbeitet wurde, desto mehr Histamin hat es. Am sichersten sind also frische und unverarbeitete Lebensmittel. Lebensmittel, die von Haus aus einen hohen Histamingehalt haben, gilt es grundsätzlich zu meiden.

Wer trotzdem mal ein Glas Rotwein und ein Stück reifen Käse genießen möchte, kann sich das Enzym DAO vor dem Essen in Tablettenform zu führen. Da die Histaminintoleranz mangels ausreichender Studien bislang aber nicht als eigenständige Krankheit anerkannt ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Tabletten normalerweise nicht.

Vorsicht bei diesen Arzneimitteln

Menschen mit einer Histaminintoleranz müssen mitunter auch bei der Medikamentenauswahl vorsichtig sein. Verschiedene Arzneimittel wie zum Beispiel Acetylcystein, Verapamil oder Metoclopramid können die Aktivität der DAO verringern. Aufpassen sollten Patienten auch bei einigen Entzündungs- und schmerzhemmenden Medikamenten wie Diclofenac oder Acetylsalicylsäure; diese können die Histamin-Freisetzung im Körper steigern.

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