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Schweiß ist besser als sein Ruf 

von pelikanapo

Schweiß fungiert als Kühlmittel für die körpereigene Klimaanlage und Schutzmantel für die Haut. Doch manchmal wird es zu viel des Guten: In medizinischen Fachkreisen spricht man dann von einer Hyperhidrose. Lesen Sie, warum Schwitzen gut für uns ist und was man gegen eine übermäßige Schweißabsonderung tun kann. 

Beim Gedanken an Schweißgeruch und dunkle Flecken unter den Achseln fällt es zugegebenermaßen schwer, dem Schwitzen etwas Positives abzugewinnen. Doch für unseren Körper ist es überlebenswichtig. Die Transpiration hilft ihm dabei, eine konstante Kerntemperatur von rund 37 Grad Celsius auch bei Hitze, Anstrengung und Fieber aufrechtzuerhalten. Das ist deshalb so wichtig, weil bereits ab ca. 40 Grad die Aktivität von Enzymen und Stoffwechselprozessen gehemmt wird; bei noch höheren Werten können Organe zu Schaden kommen oder komplett versagen. 

Wie Schweiß den Körper kühlt 

Um das zu vermeiden, springt bei einer Überhitzung des Körpers ein natürlicher Thermostat an: Der Hypothalamus, eine wichtige Schalt- und Steuerzentrale in unserem Gehirn, registriert Temperaturabweichungen im Blut und erhält Informationen von Wärmesensoren auf der Haut. Steigt die Körperkerntemperatur zu weit an, sendet er über das Rückenmark ein Signal an die Schweißdrüsen. Diese filtern Wasser und Salze aus dem Blut und sondern sie über die geöffneten Poren nach außen ab. Durch den Wechsel vom flüssigen in den gasförmigen Zustand entsteht auf der Haut eine Verdunstungskälte. Das abgekühlte Blut fließt zurück in den Körper und bringt ihn wieder auf seine optimale Temperatur zurück. 

Wofür Schwitzen sonst noch nützlich ist 

Die Thermoregulation ist aber nicht der einzige Vorteil, den das Schwitzen mit sich bringt. So hilft Schweiß durch seinen leicht sauren pH-Wert (durchschnittlich 5,5) dabei, den Säureschutzmantel der Haut aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus sondern Schweißdrüsen das Eiweiß Dermcidin ab, das als natürliches Antibiotikum wirkt. Beim Schwitzen werden außerdem die Poren von Talg, Schmutzpartikeln und abgestorbenen Hautzellen gereinigt, was der Entstehung von Mitessern und Pickeln vorbeugt. 

Woher der Geruch kommt 

Frischer Schweiß besteht hauptsächlich aus Wasser (s. Kasten) und ist daher geruchsneutral. Im Gegensatz zu den ekkrinen Schweißdrüsen, die für die Thermoregulation verantwortlich sind, ist das Sekret der apokrinen Drüsen aufgrund der enthaltenen Fette und Eiweiße milchig-trüb. Die apokrinen Drüsen finden sich vor allem unter den Achseln, im Genitalbereich und um die Brustwarzen. Erst wenn Bakterien, die natürlicherweise auf der Haut vorkommen, das Sekret zersetzen, entsteht der typische Schweißgeruch. Dieser Geruch ist individuell und hat aus biologischer Sicht viele nützliche Funktionen; so beeinflusst er unter anderem die Partnerwahl und stärkt die Bindung zwischen Müttern und Kindern. 

Deodorant vs. Antitranspirant 

Klassische Deodorants verhindern das eigentliche Schwitzen nicht. Vielmehr absorbieren oder überdecken sie die Gerüche, die durch bakterielle Zersetzung entstehen. Manche von ihnen enthalten darüber hinaus antimikrobielle Stoffe (z. B. Alkohol, Zinkverbindungen), die das Wachstum von Bakterien auf der Haut hemmen. Im Gegensatz dazu reagieren die in Antitranspirantien enthaltenen Aluminiumsalze mit dem Schweiß und bilden ein Gel, das den Ausgang der Schweißdrüsen vorübergehend verstopft. So wird die Ausscheidung von Schweiß gehemmt. Antitranspirantien werden am besten abends auf die trockene Haut aufgetragen, da sie dann tief genug in die Kanäle der Poren eindringen können. Bei empfindlicher Haut empfiehlt es sich, die überschüssigen Produktreste am nächsten Morgen abzuwaschen. 

Schwitzen in Zahlen 

Unter normalen Alltagsbedingungen sondert ein erwachsener Mensch 0,5 bis 1,0 Liter Schweiß täglich ab. Unter extremen Bedingungen kann die Schweißproduktion auf bis zu 10 bis 12 Liter täglich ansteigen. 

Zwischen 2 und 4 Millionen Schweißdrüsen befinden sich auf der menschlichen Haut. Die meisten davon befinden sich auf den Handinnenflächen und den Fußsohlen; dort liegt die Dichte bei 360 bis 375 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter Haut. 

Frischer Schweiß besteht zu 99 Prozent aus Wasser, zu 0,5 Prozent aus Natriumchlorid (Kochsalz) und zu 0,5 Prozent aus weiteren Stoffen (u. a. Milchsäure). 

Wann zum Arzt? 

Wenn man plötzlich und ohne ersichtlichen Grund vermehrt schwitzt, die Schweißbildung den Alltag massiv beeinträchtigt oder weitere Symptome wie Gewichtsverlust, Schüttelfrost oder Herzrasen hinzukommen, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Hinter übermäßigem Schwitzen können Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus oder Infektionen stecken. 

Auch bestimmte Medikamente oder Hormonschwankungen in den Wechseljahren können die Schweißsekretion beeinflussen. Von einer primären Hyperhidrose spricht man, wenn keine organische Grunderkrankung als Ursache vorliegt. Je nach Ursache wird die Ärztin bzw. der Arzt eine entsprechende Behandlung empfehlen. Daneben kann das Tragen von locker sitzender Kleidung aus atmungsaktiven Materialien (z. B. Baumwolle, Leinen), eine ausreichende Trinkmenge und das Meiden bestimmter Lebens- und Genussmittel (z. B. scharfe Gewürze, Tabak, Koffein) Linderung verschaffen. Beliebte Hausmittel gegen übermäßiges Schwitzen sind Wechselduschen, Waschungen mit Apfelessig oder eine mehrwöchige Kur mit Salbei-Tee. 

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